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Cristóbal Balenciaga. Die Schmiede des Meisters (1895-1936)
Bücher von spanischen Verlagen und spanischen Literaturagenturen mit verfügbaren Übersetzungsrechten für den deutschen Sprachraum.
Autor: Miren Arzalluz
Verlag: Nerea, 2010, 305 Seiten
Genre: Biographie
GutachterIn: Elisabeth Müller
Biografie des Spaniers Cristóbal Balenciaga (1895-1972), der als innovativster Modedesigner des 20. Jahrhunderts gilt. Wie der Untertitel verrät, geht es in dem ansprechend aufgemachten Bildband mit zahlreichen Fotos, Drucken und anderen Zeitdokumenten insbesondere um die Jahre der handwerklichen und künstlerischen Prägung und Formung des Meisters, dessen Luxusmarke „Balenciaga“ inzwischen zur Gucci-Gruppe gehört.
Das in minutiöser Recherche nicht nur im Balenciaga-Archiv von Paris, sondern auch in Bibliotheken, weiteren Archiven und dem Gespräch mit Zeitzeugen, zusammengetragene Material wird publikumsnah präsentiert, so dass der Verdacht, der Band könnte nur die Fachwelt ansprechen, schon beim ersten Blättern darin ausgeräumt wird.
Der Werdegang des Künstlers und Sohn einer Damenschneiderin einfacher Herkunft wird von der Autorin, einer Historikerin mit Schwerpunkt Mode und Spezialgebiet „Balenciaga“, gelungen in den historischen Kontext eingebettet, so dass ein lebendiger Eindruck seiner Zeit entsteht.
Ausschlag gebend für den weltweiten Erfolg des Modedesigners war seine Flucht nach Paris bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs. Er kam mit 42 Jahren nach Frankreich, wo er schon mit der Vorstellung seiner ersten Kollektion einen durchschlagenden Erfolg hatte. Kurz darauf gründete er sein Pariser Modehaus auf der Avenue Georges V.
Dieser Durchbruch kam nicht von ungefähr, vielmehr war Cristóbal Balenciaga damals in seinem Land bereits ein gemachter Mann und erfolgreicher Modeschöpfer, der sein Handwerk von der Pike auf bei der Mutter gelernt hatte. Diese betrieb nämlich am Wohnsitz der Familie, einem kleinen Fischerdorf in Guipúzcoa, eine Schneiderwerkstatt, erteilte Nähstunden und war für den Adel tätig, der in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts begann, die Gegend um San Sebastian für ausgedehnte Sommeraufenthalte zu entdecken. So kam es dazu, dass Balenciaga schon als Zwölfjähriger ein Kleid für eine Markgräfin entwarf, die ihm dann zeitlebens als Mäzenin erhalten blieb. Diese Verbindung kam besonders zum Tragen, als Balenciaga begann, sich mit eigenen Niederlassungen selbständig zu machen. Sein erstes Modehaus eröffnete er 1917 in San Sebastián, gleichzeitig begann er, seine Kreationen jährlich in zwei eigenen Kollektionen vorzustellen. 1933 kam ein weiteres Modegeschäft in Madrid dazu und im gleichen Jahr die Schaffung der Modemarke Eisa BE. Deren Erfolg war so groß, dass sich Balenciaga 1935 zu einer dritten Niederlassung in Barcelona entschloss, die wie die beiden anderen Modegeschäfte unter dem Firmennamen Eisa geführt wurde, zu Ehren seiner Mutter, einer geborenen Eizaguirre. Sie stand Balenciaga bei all seinen Unternehmungen bedingungslos zur Seite, während er sein Geschäft von Anfang an als Familienbetrieb ansah und Geschwister, Nichten und Neffen einstellte und finanziell unterstützte.
Im letzten Kapitel widmet sich die Autorin den Haupteinflüssen auf Balenciagas Werk - Historizismus und Kunst, das Werk von Igancio Zuloaga und der Japanismus - ebenfalls reich bebildert, u. a. mit den entsprechenden Kreationen des Modeschöpfers. Und um diese umfassende und lohnenden Biografie zu vervollständigen, folgt ein Anhang mit ausführlichen Anmerkungen, Chronologie, Bibliografie, Namensverzeichnis und Bildnachweis.
Crístóbal Balenciagas Erfolg liegt neben seinem hohen ästhetischen Anspruch, seiner Strenge und seinem Fleiß auch im sozio-politischen Wandel seiner Zeit begründet, in dessen Vollzug er sich vom traditionellen Damenschneider für die Aristokratie zum Schöpfer des pret-á-porter einer wohlhabenden Mittelschicht und später zur Haute Couture entwickelte und seine Modelle vielfach kopiert und nachgenäht wurden. Seine Zeitgenossen Christian Dior und Coco Chanel bezeichneten Balenciaga als den einzigen „wahren“ couturier, und in Fachkreisen gilt er als der Vater der Haute Couture.
Stellungnahme: Aus künstlerischer und historischer Sicht wertvoller Bildband, der zudem vielseitig und ansprechend gestaltet ist. Die Lektüre wird über die Fachkreise und die nationalen Grenzen hinaus als lohnend eingeschätzt und daher zur deutschen Übersetzung empfohlen.