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DECIDME CÓMO ES UN ÁRBOL. MEMORIA DE LA PRISIÓN Y LA VIDA

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Autor: Marcos Ana
Verlag: Umbriel – Tabla Rasa, 2007, 379 Seiten
Genre: Biographie
GutachterIn: Jürgen Grzondziel

Der Dichter Marcos Ana (Alconada, Salamanca 1920) kämpfte auf Seiten der Republik im Spanischen Bürgerkrieg. Von 1939 bis 1961 war er in Gefangenschaft, zunächst zum Tode verurteilt. Nach einer Amnestie setzte er sich weltweit für die Solidarität mit den vom Franco-Regime Verfolgten ein. Mit Decidme cómo es un árbol. Memoria de la prisión y la vida legte Marcos Ana 2007 seine Autobiografie vor.

Marcos Ana wurde 1920 als Fernando Macarro Castillo in einem kleinen Dorf bei Salamanca geboren und zog als Jugendlicher mit seiner Familie nach Alcalá de Henares. Als Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation JSU (Juventud[es] Socialista[s] Unificada[s]) nahm er auf Seiten der Republik am Spanischen Bürgerkrieg teil. 1939 wurde er von den Franquisten gefangen genommen und verbrachte 23 Jahre in den Gefängnissen des Regimes. In dieser Zeit begann er unter dem Pseudonym Marcos Ana, welches sich aus den Vornamen seiner Eltern zusammensetzt, Gedichte zu schreiben. Nach seiner Entlassung gründete er in Paris das Centro de Information y Solidaridad con España (CISE), welches unter dem Vorsitz Pablo Picassos die durch das Regime Unterdrückten und ihre Familien in Spanien unterstützte. Marcos Anas Autobiografie Decidme cómo es un árbol, benannt nach einem Gedicht aus der Zeit der Haft und mit einem Vorwort des Nobelpreisträgers José Saramago versehen, erschien 2007. Ein Jahr später war in verschiedenen Zeitungen (u.a. in El País, in der Londoner Times, in Die Welt) zu lesen, dass der Regisseur Pedro Almodóvar plane, das Leben Marcos Anas zu verfilmen.

In Decidme cómo es un árbol (in etwa: „Sagt mir, wie ein Baum aussieht“) steht die Zeit der Haft in den Gefängnissen der Franco-Diktatur im Mittelpunkt, sowie die politische Arbeit Marcos Anas, sein weltweiter Einsatz für die unter Franco Verfolgten. Aus seiner Kindheit schildert der Dichter vor allem wie er, in einem katholischen Elternhaus aufwachsend, sich den Jungsozialisten aus der Überzeugung anschloss, einer gerechteren Sache zu dienen. Er berichtet von der Verteidigung Madrids und wie er am Ende des Krieges auf der Flucht von einem Vertrauten verraten wurde. Es folgen eindringliche, bedrückende Schilderungen über die Jahre in menschenunwürdiger Haft, unter Folter und zum Tode verurteilt. Zweimal wurde Ana die Hinrichtung angekündigt, zweimal hatte er Glück und seine „Erschießung“ wurde aufgeschoben. In der Erzählung kommt zum Ausdruck, wie es ist, wenn man vor lauter Schmerz zwischen feuchten Gefängnismauern und voller Einsamkeit nicht mehr weiß, wie ein Baum aussieht. Dem gegenüber steht die ungebrochene Solidarität der Gefangenen untereinander, die der Autor in durchaus heiteren Episoden ausführt, etwa wie er Kameraden, deren Entlassung anstand, seine Gedichte auswendig lernen ließ, um sie so aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Später in Freiheit, entdeckte er in den Publikationen, dass die „Boten“ manchmal – vor Freude über die Entlassung – einige Verse vergessen und durch eigene ersetzt hatten. Der hier anklingende Optimismus potenziert sich in Marcos Anas Berichten über die Zeit nach der Haft, in der er zunächst in viele europäische Staaten sowie nach Lateinamerika und Kanada reiste, um Solidaritätskommittees zu treffen sowie prominente Unterstützerinnen und Unterstützer, etwa das im Exil lebende spanische Dichterpaar Rafael Alberti und María Teresa León, die Castros und Ché Guevara in Kuba oder Pablo Neruda in Chile. Decidme cómo es un árbol endet mit Marcos Anas Rückkehr nach Madrid in Freiheit.

In der Erzählung erscheinen immer wieder Gedichte von Marcos Ana, Zeitgenossen und Weggefährten (etwa von Rafael Alberti, Pablo Neruda und Nazim Hikmet). An zwei Stellen im Buch sind zahlreiche Fotos eingebunden, die den Lebensweg Anas illustrieren (frühe Familienfotos, Bilder aus dem Gefängnis, Plakate von Solidaritäts-Kundgebungen, Fotos mit Neruda, etc.). Einige Abschnitte sind kursiv gesetzt: Es handelt sich einerseits um Zitate, etwa einen Brief Nerudas, andererseits vermutlich um Episoden, die Ana sich bereits lange Zeit vor der Arbeit an seinen Memoiren auf Anraten des chilenischen Dichters notiert hatte – Ana erzählt, wie jener ihm diesen Rat gab.

So bedrückend viele Ereignisse waren, die Marcos Ana durchlebt hat, umso mehr Optimismus strahlt dieses Buch aus. Das erste Kapitel „Libertad“ („Freiheit“) dreht sich um Marcos Anas Freilassung, so als wolle er der Leserschaft ein Stück Hoffnung mitgeben, bevor er vom Grauen des Kriegs und der Haft berichtet. Der Zusammenhalt unter den Gefangenen und die internationale Solidarität ist die Rettung Marcos Anas – diese Botschaft kommt auf fast jeder Seite des Buches zum Ausdruck. Möglicherweise ist der Bericht manchmal fast ein bisschen zu pathetisch, etwa in der Schilderung von Solidaritätsveranstaltungen in Kuba, denke man daran, dass es dort auch politische Gefangene, eben eines anderen nicht-demokratischen Regimes, gab und gibt. Trotzdem handelt es sich um einen eindringlichen Zeitzeugenbericht, der darüber hinaus ganz fabelhaft erzählt ist. Des Weiteren enthält das Werk großartige und wichtige Gedichte Marcos Anas, die hierzulande leider viel zu unbekannt sind – Eine starke Stimme, die sicherlich zur Aufarbeitung der Franco-Diktatur in Spanien und aller faschistischen Regime weltweit beiträgt – Ein wichtiges Buch.

  • Sagt mir, wie ein Baum ist. Erinnerung an das Gefängnis und das Leben
    DECIDME CÓMO ES UN ÁRBOL. Memoria de la prisión y la vida
    Sagt mir, wie ein Baum ist. Erinnerung an das Gefängnis und das Leben
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