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DUBLINÉS (DUBLINER)

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Autor: Alfonso Zapico
Verlag: Astiberri, 2011, 232 S.
Genre: Graphic Novel
Gutachterin: Maria Hoffmann-Dartevelle

„Dublinés“ („Dubliner“), erschienen 2011 bei Astiberri Ediciones, ist die Biographie des Schriftstellers James Joyce in Comic-Form, die dritte Graphic Novel des 1981 in Asturien geborenen Spaniers Alfonso Zapico. Zapico arbeitet als Illustrator, Graphiker und Zeichner von Comicbüchern für Kinder und Erwachsene und wurde bereits für seine beiden ersten Graphic Novels mit viel Lob bedacht und mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem Genre - Erwachsenen-Comic mit anspruchsvollem Inhalt -, das in Deutschland (anders als in Frankreich oder Spanien) noch wenig verbreitet ist, hat sich bei der Lektüre von „Dublinés“ rasch zerstreut. Ohne Vergleiche heranziehen zu können, als gleichsam unbedarfte Leserin, bin ich schließlich zu dem Urteil gelangt, dass es dem Autor-Graphiker Zapico mit seinem zeichnerischen Feingefühl, einer guten Mischung aus Ernst und Witz und vielen hübschen Details gelungen ist, einen komplexen Stoff unterhaltsam zu vermitteln und dabei nicht zu verniedlichen oder zu veralbern. Historische Hintergründe, Werdegang des Schriftstellers und zahlreiche Anekdoten aus dessen turbulentem Leben präsentiert er auf 230 Seiten in einer Abfolge schwarzweißer Bildtafeln, die ein flüssiger Erzähltext und Dialog-Sprechblasen begleiten.

Zum Inhalt: 1882 wird James Joyce in Dublin geboren, als ältester Sohn einer kinderreichen Familie, auf der in den folgenden Jahren die Geld- und Alkoholprobleme des Vaters lasten. James interessiert sich früh für Literatur, rebelliert gegen traditionelle Werte und gegen die katholische Kirche. Nach dem Besuch einer Jesuiten-Schule studiert er am University College Dublin Sprachen und begegnet 1904 seiner späteren Lebensgefährtin Nora Barnacle. Mit Freunden gibt er sich Trinkgelagen hin und durchlebt wilde Nächte wie die berühmte im Martello Tower, in der ihn sein Freund Gogarty im Rausch beinahe erschießt. Zapico zufolge führt dieses Erlebnis Joyce zu dem Entschluss, mit Nora nach Paris zu gehen, angeblich um dort Medizin zu studieren.

Es beginnt ein unstetes Leben, geprägt von Geldnöten, Alkoholexzessen und schriftstellerischen Experimenten. Das Paar zieht weiter nach Zürich und Triest, in beiden Städten hofft Joyce vergeblich, als Sprachlehrer arbeiten zu können. Erst in Pula, einem österreichisch-ungarischen Flottenstützpunkt, findet er eine Anstellung, wird aber 1905 als vermeintlicher Spion aus der Stadt ausgewiesen. Er kehrt nach Triest zurück, wo sein Sohn Giorgio geboren wird. Sein Bruder Stanislaus zieht zur Familie und unterstützt sie finanziell, bis die Brüder sich zerstreiten. Joyce geht mit Frau und Kind kurzzeitig nach Rom, wenig später kommt Tochter Lucia zur Welt.

Nach der Veröffentlichung des Gedichtbandes „Chambermusic“ im Jahr 1907 verfasst Joyce die Kurzgeschichtensammlung „Dubliners“. Ein schmerzhaftes Augenleiden befällt ihn, das immer wieder Behandlungen und Operationen notwendig macht. 1909 reist er mit seinem Sohn nach Dublin und eröffnet dort mit Hilfe von Geldgebern das erste Kino der Stadt, das jedoch nach seinem Fortgang bald eingeht. Er lebt wieder in Triest, in der Ehe beginnt es zu kriseln, Verehrer tauchen auf, Joyce beginnt Liebschaften, doch das Paar wird sich nie trennen.

Der Krieg zwingt die Familie, das Land zu verlassen, sie begibt sich nach Zürich. Eine monatliche Unterstützung durch eine reiche Mäzenin ermöglicht ihr für eine Weile ein sorgloses Leben. Gemeinsam mit Freunden gründet Joyce eine erfolgreiche Theaterkompanie, in der auch Nora spielt. In Frank Budgen gewinnt er einen engen Freund, und zwischen Liebesaffären, Alkohol- und Augenproblemen schreibt er intensiv. Die Begegnung mit der Verlegerin Harriet Shaw Weaver erweist sich als großer Segen für seine schriftstellerische Karriere; denn ihr ist es zu verdanken, dass 1916 „Dubliners“ erscheint und Joyce die Arbeit an „Ulysses“ fortsetzen kann.

Von Ezra Pound animiert, zieht Joyce mit der Familie nach Paris, wo er die kommenden 20 Jahre bleiben wird. Der Verlag der Pariser Buchhandlung Shakespeare & Co veröffentlicht 1922 „Ulysses“; das Werk wird in den USA jedoch wegen „obszöner Inhalte“ verboten. Joyce ist mittlerweile zum berühmten Schriftsteller avanciert. In der Zeitschrift „Transitions“ werden erste Teile seines Werks „Finnegans Wake“ publiziert, das Freunde und Schriftstellerkollegen für unverständlich und verrückt halten.

Joyce' Sohn heiratet, sein Enkel Stephen wird geboren, sein Vater stirbt (die Mutter ist Jahre zuvor einem Krebsleiden erlegen). Tochter Lucia beginnt zum Kummer des Vaters unter psychischen Störungen zu leiden, die bald Klinikaufenthalte nach sich ziehen. Auch C.G. Jung therapiert, stuft sie als schizophren ein und den Vater gleich mit.
In Deutschland und Italien kommt der Faschismus an die Macht, die Ulysses-Übersetzungen werden verboten. Bei Kriegsausbruch muss Joyce Paris verlassen und zieht mit Nora, Giorgio und dem Enkel Stephen wieder nach Zürich, wo er im Januar 1941 infolge schwerer Magen-Darmprobleme stirbt.

Die Schilderung von Joyce’ Lebensetappen ergänzt Zapico durch zahlreiche zeitgeschichtliche Informationen. Auf den Bildtafeln sind auch historische Persönlichkeiten gut zu erkennen, etwa Lenin, Beckett oder Matisse. In einem unterhaltsamen Text voller Anekdoten, der nur an einigen wenigen Stellen Brüche aufweist, sowie in den liebevoll gestalteten, mit ihren Grauabstufungen sehr plastisch wirkenden Zeichnungen tritt vor allem Joyce’ eigenwilliger Charakter zutage. Szenen und Dialoge spiegeln seinen Humor, seine Spleens, seinen Narzissmus wider, sein rebellisches Wesen und seinen Hang zu Ausschweifungen. Die Bildtafeln mit ihren kunstvollen, fein nuancierten Stiftzeichnungen erinnern an Schwarzweißfilme und ziehen den Leser rasch mitten ins Geschehen. Filmisch wirken auch die Zoomeffekte, und die in Sprechblasen untergebrachten Lautmalereien (blablabla, uh uh), typische Comic-Elemente, verweisen gleichsam auf Joyce’ eigenen Hang zum Lautmalerischen. Auch könnte man die episodische Erzählweise fast als Reminiszenz an die ursprüngliche Veröffentlichung seiner Werke als Fortsetzungsromane betrachten.

Dem deutschen Publikum sollte diese hübsche, unterhaltsame Graphic Novel nicht vorenthalten werden. Übersetzer dürften mit dem Text gut zurechtkommen, als besondere Herausforderung könnten sich jedoch die räumlichen Zwänge (vorgegebene Zeichenzahlen) erweisen, ein typisches Problem jeder Comic-Übersetzung.

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