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EL ARTE DE PERDER

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Autor: Lola Beccaria
Verlag: Planeta, 2010, 340 Seiten
Genre: Roman
GutachterIn: Sabine Giersberg

Bei dem Roman El arte de perder handelt sich um ein amüsantes Maskenspiel zum Thema Liebe und Geschlechterkampf in den Zeiten virtueller Realität(en). Ein solider, kurzweiliger, manchmal hintergründiger, an einigen Stellen etwas zu plump erotischer Unterhaltungsroman für gehobenere Ansprüche, der auch durch seine erfrischende Sprache besticht – was nicht weiter verwundert, ist die Autorin Lola Beccaria (*1963) doch als Linguistin für die Real Academia Española tätig.

Die Protagonistin Sara, eine junge, selbstbewusste, gewitzte Restauratorin, tummelt sich in diversen Chat-Rooms und Kontaktbörsen. Einem Flirt nicht abgeneigt, trifft sie sich mit ein paar Männern, die sich jedoch letztlich als Flop entpuppen. Da tritt mit einer kurzen Nachricht Enzo in ihr Leben: »Du gefällst mir. Dem kann und will ich mich nicht entziehen«. Sara fühlt sich von dem feinsinnigen, humorvollen Bonvivant angezogen, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Eine spritzige Nachricht jagt die andere, beide schlüpfen in Masken. Von Beginn an erahnt Sara die zwei Seelen in Enzos Brust: Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nach einem ersten, von beiden herbeigesehnten Treffen, bei dem sie sich einander hingeben, entzieht sich Enzo plötzlich, der Kontakt findet nur noch über Nachrichten statt, reißt immer wieder ab. Während Enzos Nachrichten immer knapper ausfallen »Ich begehre dich«, »Ich will dich sehen«, »Komm« etc. und sich wiederholen, als würden sie von einer Maschine automatisch versendet, entblößt Sara in ihren immer länger werdenden Nachrichten ihre Seele. Sein Schweigen und seine Nicht-Präsenz erzeugen einen erotischen Suspense, dem sie sich nicht entziehen kann. Sara gerät immer tiefer hinein in den Strudel der Gefühle, der bald all ihre Gedanken beherrscht. Sie sucht die Nähe, die er ihr verweigert, im und über das oft sehr poetische Wort. Viele Nachrichten schickt sie gar nicht ab. Ihr ist bewusst, dass Enzo ein teuflisches Katz-und-Maus-Spiel mit ihr treibt, und bleibt doch Sklavin ihrer widerstreitenden Gefühle und kann dem Teufelskreis nicht entfliehen. Alles wird Taktik, Strategie. Die Ratschläge ihrer Freunde schlägt sie in den Wind. Sie beginnt Enzos Reaktionen bzw. Nicht-Reaktionen in ihrem eigenen von Projektionen und Illusionen geprägten Schema zu deuten (»Wenn er von Isolde, Tristans Geliebter, sprach, war das eigentlich an sie gerichtet, vielleicht machte er so deutlich, was er erwartete oder fühlte« 231), eine eigene, künstlich geschaffene Sinnwelt entsteht, mit der die Erfahrung von Entbehren und Verlust einhergeht. Die reine Virtualität wird hier sozusagen auf die Spitze getrieben, weil auch Sara realen Treffen auszuweichen beginnt, aus Angst, die Wirklichkeit könnte den Traum von der perfekten Liebe Lügen strafen. Sie hofft, zweifelt, verzweifelt, leidet, begehrt auf, wächst. Dieser Prozess wird für den Leser sehr anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Natürlich gibt es zahlreiche Anspielungen auf literarische Figuren und Topoi, die bestimmte Aspekte der Liebe verkörpern (Tristan, Don Juan, Aschenputtel, Beatrice, Dulcinea etc.). Freundinnen warten mit psychologischen Erklärungsmustern auf. Am Ende erfährt die Geschichte eine rasante Wendung, als Sara bei dem Versuch, einen Dieb zu überwältigen, niedergestochen wird und im Koma liegt. Jetzt sitzt Enzo an ihrem Bett und offenbart der Bewusstlosen sein Innerstes.

Lola Beccaria behandelt das Thema Single-Dasein und Liebe in modernen Zeiten, den Wunsch nach Nähe und die Schwierigkeit, sie zuzulassen, oft mit einer ordentlichen Prise Humor gewürzt, wie etwa in der Diskussion um Jesus und die Liebe, als Sara lakonisch meint: »Ich möchte nicht am Kreuz enden. Und dann noch allein! Wenn man wenigstens einen dazu nageln würde ...« (S. 215). Der Roman hat trotz der vielen (Selbst-) Reflexionen Tempo und Biss. Auch wenn Beccarias Roman nicht das Format von Glattauers Gut gegen Nordwind hat, im Unterhaltungssegment wäre er sicherlich gut zu platzieren, er dürfte allerdings eher ein weibliches Lesepublikum ansprechen. Einziger Einwand wäre eventuell die Länge.

Übersetzungstechnisch stellt er keine große Hürde dar; der leichtfüßige, freche Ton müsste natürlich gut getroffen werden.

  • Die Kunst des Verlierens
    El arte de perder
    Die Kunst des Verlierens
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