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El compositor de tormentas

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Autor: Andrés Pascual

Verlag: Random House Barcelona 2009, 523 Seiten

GutachterIn: Silke Kleemann

Sicher geschriebene kommerzielle Fiktion mit sympathischen Figuren, die für das Gute in der Welt auf der Suche nach der alchemistischen "Melodie der Seele" sind. Das Geheimnis führt einen jungen französischen Violinisten im 17. Jahrhundert bis nach Madagaskar. Gute Platzierungschancen auf dem deutschen Markt.

Der Roman eröffnet mit einer Rahmenhandlung in der Gegenwart: Der weltberühmte Komponist und Violinist Michael Steiner verlässt die Bühne der Pariser Oper, bevor er den ersten Geigenstrich getan hat. Persönliche Gefühle überwältigen ihn, er fühlt sich schuldig, weil er den letzten Wunsch seiner verstorbenen Frau Rachel nicht erfüllen kann. Sie hatte sich auf dem Sterbebett von ihm versprechen lassen, dass er die wundersame "geheime Melodie", die er für sie komponiert hatte, noch einmal spielen und so ihre Seele freisetzen würde, damit sie im Paradies ihre letzte Ruhe finden könnte. Sein Freund, der Direktor der Oper, weiß Trost: Er zeigt ihm in der Bibliothek eine Notiz, die Ludwig XIV. auf seinem Sterbebett verfasst haben soll. Darin erwähnt er einen mysteriösen "Komponist der Stürme".

In den folgenden drei "Akten" wird rückblickend ins 17. Jahrhundert die Geschichte des jungen Violinisten Matthieu Gilbert erzählt. Seine Mutter, ein Dienstmädchen, starb bei seiner Geburt, worauf ihn die Familie ihrer Arbeitgeber als Kind annahm. So wuchs er mit einem gleichaltrigen Bruder auf, Jean-Claude, und zudem unter dem Einfluss der Musik: Der berühmte Komponist Marc-Antoine Charpentier ist Jean-Claudes und nunmehr auch Matthieus Onkel. Er unterrichtet die Brüder in Musik, ihrer gemeinsamen Leidenschaft. Matthieus Wunsch ist es, einmal am Hof von Versailles zu musizieren. Dies ist durch Charpentiers Feindschaft mit dem Hofmusiker Lully aber schwierig.

Als noch gefährlicher stellt sich Jean-Claudes Ehrgeiz heraus: Gemeinsam mit Charpentier und Sir Isaac Newton (sic) beginnt er ein alchemistisches Experiment: Er soll die "Melodie der Seele" in Noten fassen, die ein französischer Matrose von der wundersamen und von aufsässigen Eingeborenen bewohnten Insel Madagaskar mitgebracht hat. Nicht nur sie streben nach der Macht, die diese Melodie (u.a. durch Hilfe beim Erstellen des Steins der Weisen) mit sich bringen soll - Jean-Claude fällt einem grausamen Mord zum Opfer. Charpentier wird ebenfalls bedroht. Er sucht Unterstützung beim König, und um die Familie zu retten, wird Matthieu für die Reise nach Madagaskar auserkoren. Er soll dort die "Mondkehle" finden, eine Angehörige der Priesterinnen-Kaste, die von allen anderen klanglichen Einflüssen abgeschirmt ist und nur die seit Generationen überlieferte Melodie der Seele singt.

Auf der Reise unter der Obhut von Kapitän La Bouche besteht Matthieu bereits erste Abenteuer, und auch dem grausamen Eingeborenen-Herrscher Ambovombe auf Madagaskar (mit dem La Bouche, der als Sklavenhändler ein doppeltes Spiel treibt, Geschäfte machen möchte) entkommt er wieder. Dafür verliebt er sich unsterblich in Luna, die singende Priesterin, die sie schließlich in Utopia, der von einem alternden idealistischen Piraten errichteten Traumstadt, finden. Die Liebe ist gegenseitig, und nun geht es Matthieu nicht mehr nur um die Rettung seiner Familie daheim in Paris und die Zufriedenstellung seines Monarchen, nun will Matthieu auch Luna retten und mit ihr sein persönliches Glück finden.

Es gelingt ihm tatsächlich, mit ihr nach Paris zu gelangen, dort die noch verbleibenden Bösewichte auszuschalten und die Notenversion der Melodie der Seele an seinen Onkel und Newton zu übergeben. Diese haben im Schloss von Versailles Unterschlupf gefunden - und dort kommt es zum Showdown: Ludwig XIV. tobt, weil das alchemistische Experiment zur Erstellung des Steins der Weisen zunächst fehlschlägt, und vor allem, weil Lunas Gesang alle Spiegel in seinem frisch eingeweihten Spiegelkabinett zum Zerspringen bringt. In seiner Wut erdolcht er Luna. Matthieu verlässt die Stadt gebrochen vor Schmerz, verdingt sich auf einem Schiff als Matrose und sucht auf den sieben Weltmeeren nach einer neuen Luna. In seinem späten Brief bereut Ludwig XIV. diese Tat und bedauert, nicht den Mut und die Weitsicht gehabt zu haben, den visionären Reichtum zu erkennen, den die Melodie der Seele jenseits herkömmlicher Vorstellungen von Geld und Macht birgt. Matthieus Nachfolger in der Moderne fährt zum Abschluss des Romans nach Versailles und spielt dort auf seiner Geige die Melodie der Seele - an dem Brunnen, in dem Matthieus alte Freundin Nathalie einst die Muschel verborgen hatte, die Lunas Gesang versinnbildlichte. So erlöst er nicht nur die Seele seiner Frau, sondern auch die von Luna und Matthieu.

Die Zusammenfassung des Inhalts mag ein wenig kitschig und ziemlich opernhaft klingen, trotzdem entfaltet der Roman beim Lesen viel Charme und die Figuren nehmen für sich ein. Das Opernhafte ist beabsichtigt, steht in der Tradition der barocken Kompositionen von Lully und Charpentier und dem allgemeinen Gefallen für Pomp und Prunk am Hof von Ludwig XIV.. Die Einbeziehung realer Gestalten in die Fiktion funktioniert auch relativ gut - selbst Newtons Interesse für die Alchemie ist historisch belegt, wenn die "Melodie der Seele" wohl auch die Fantasie des Autors ist. Es gibt einige besonders sympathische Nebenfiguren, so einen senegalesischen Ex-Sklaven, der zu einer Art Seelenfreund von Matthieu wird, der ehemalige Schiffsarzt Pierre, der eine Schlacht der Franzosen auf Madagaskar überlebte, dort zurückblieb und zehn Jahre lang mit den Einheimischen zusammenlebte, oder die schöne Adelige Nathalie, die Matthieu aufrichtig liebt und ihm in allen Schwierigkeiten treu zur Seite steht.

Wie es manchmal bei historischen Romanen geschieht (so auch bei Pascuals erfolgreichem Vorgänger "El Guardián de la Flor de Loto"), fällt zu Beginn die etwas gehäufte Verwendung von Adjektiven unangehm auf, entweder stumpft dann aber die eigene Sensibilität ab oder man gewöhnt sich an den leicht überschwenglichen Ton der Erzählung. Die Schilderungen am Hof, an Bord und im fernen Madagaskar sind ausreichend detailliert, um zu überzeugen, stellen für eine mögliche Übersetzung aber keinen größeren Rechercheaufwand dar. Den Spannungsbogen führt der Autor geschickt, es gibt in dem 500 Seiten dicken Buch kaum Längen, die Gewichtung der einzelnen Schauplätze ist recht gleichmäßig und sorgt für Abwechslung.

Meiner Einschätzung nach würde dieses Buch auch auf dem deutschen Markt als kommerzielle Fiktion funktionieren; ich möchte daher zur Aufnahme von "El compositor de tormentas" auf die Empfehlungsliste von New Spanish Books raten. Es ist erfreulich und unterstützenswert, wenn ein Autor, der nicht aus dem angelsächsischen Raum kommt, Bestseller-Potential mitbringt. Mit diesem Roman war Andrés Pascual Finalist beim VIII Premio de Novela Ciudad de Torrevieja.

  • El compositor de tormentas
    Der Komponist der Stürme
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