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EL NAVÍO ALEJANDRO I (DAS LINIENSCHIFF ALEXANDER I)

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Autor: Luis Delgado
Verlag: Editorial Noray, 2011, 431 S.
Genre: Literatur
Gutachterin:  Susanna Mende

Luis Delgados Roman El navío Alejandro I ist der elfte Band in einer Reihe historischer Seeromane, die bei dem kleinen und feinen sowohl im Bereich Sachbuch als auch Belletristik auf Meeresthemen und Seefahrt spezialisierten Verlag Noray veröffentlicht werden.

Luis Delgado gilt als der renommierteste spanische Autor marinehistorischer Romane und ist mit seiner spanischen Marinesaga um den Protagonisten Santiago de Leñanza, der im Dienste der Königlichen Kriegsmarine Spaniens zu Beginn des 19. Jahrhunderts so manche Abenteuer in den Kolonien und politische Intrigen im Heimatland bestehen muss, und zahlreichen weiteren Einzelpublikationen auch ausgesprochen produktiv.
Der Autor, selbst als Kapitän zur See gefahren, zeichnet sich durch seine präzise und kenntnisreiche Rekonstruktion der jeweiligen historischen Situation aus, sowohl die politischen Verhältnisse betreffend, als auch die Lebensumstände- und bedingungen der Menschen damals, vor allem der Mitglieder der Spanischen Kriegsmarine.
Somit kann man ihn ohne zu übertreiben berühmten Romanciers des Genres des marinehistorischen Romans wie den Briten Alexander Kent (ebenfalls bei Noray auf Spanisch veröffentlicht) und C.S. Forester (der mit seinem Zyklus um Kapitän Horation Hornblower Berühmtheit erlangte) und dem Iren Patrick O’Brian (den meisten durch sein Werk Master und Commander bekannt) zuordnen.
Interessant ist hierbei auch, dass zum ersten Mal auf sehr reflektierte Weise eine spanische Sicht auf die bewegte Zeit der napoleonischen Kriege und kolonialen Konflikte des 19. Jahrhunderts geboten wird.

In El navío Alejandro I geht es vor dem Hintergrund der innenpolitischen Kämpfe zwischen Absolutisten und Liberalen unter der Regentschaft von Felipe VII. um die prekäre Situation der spanischen Kriegsmarine, die aus Mangel an Finanzmitteln sowohl materiell (schlechter Zustand der Flotte) als auch moralisch (die verheerende Stimmungslage deren Mitglieder aller Ränge) langsam niedergeht.
Dabei sieht sich das Kolonialreich Spanien gezwungen, den Unabhängigkeitsbestrebungen in Übersee (in diesem Fall am Rio de la Plata), die teilweise von den Nordamerikanern unterstützt werden, Einhalt zu gebieten.
Doch das ist nur möglich mit einer umfassenden und gut ausgerüsteten Kriegsflotte, die vom Mutterland Spanien über den Atlantik geschickt werden soll.
König Fernando VII. verfällt hierfür auf einen Handel, der sich als große Schmach für die spanische Kriegsflotte erweisen soll. Im Jahr 1817 erwirbt er bei Zar Alexander I. acht Schiffe, später noch durch drei weitere Fregatten ergänzt, die aufgrund der schlechten Holzqualität und diverser anderer Mängel nur sehr begrenzt oder gar nicht zum Einsatz kommen. Die Alejandro I, welche vorliegendem Roman den Titel gibt, machte auf der Fahrt von Cadiz nach Südamerika auf Äquatorhöhe kehrt und segelte wieder zurück, ohne je danach zum Einsatz zu kommen. Auf dieser Fahrt ist der Sohn von Santiago de Leñanza dabei, der als Seekadett bei der spanischen Marine angeheuert hat und die abenteuerliche Fahrt auf dem untauglichen Schiff miterlebt.

Doch vergisst Luis Delgado auch nicht das Private seines Protagonisten Santiago de Leñanza und lässt ihm eine persönliche Katastrophe angedeihen, stellt sich seine zweite aus dem kalifornischen Monterey stammende Frau Beatriz doch als Lügnerin heraus, die sich für ihre Mutter an ihm und seiner Familie rächen möchte und dies über den der Weg der Ehe mit Santiago und somit einem furchtbaren emotionalen Verrat in die Tat umsetzt.

Somit hat der Roman alles, was einen klassischen Abenteuerroman ausmacht: einen tapferen Helden, der auf hoher See Schlachten besteht (hier der Angriff eines Piratenschiffs) und ein kluger und umsichtiger Stratege bei wichtigen politischen Schachzügen ist, außerdem einen fürsorglichen und vorbildhaften Vater und moralisch integren Patrioten.

Wie Luis Delgado in einem Interview sagt, ist für ihn die präzise Rekonstruktion historischer Gegebenheiten ganz zentral, was auch an den ausführlichen Darstellungen und langen Dialogen über die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten deutlich wird. Leser, die sich neben dem Abenteuer für diese Problematik interessieren, werden voll auf ihre Kosten kommen.

Was die Stilistik betrifft, zeigt sich ein deutlicher Unterschied zu dem selbstironischen und manchmal beinahe in die Groteske reichenden Stil eines Forester oder Patrick O’Brian. Delgado behandelt sein Thema mit großer Ernsthaftigkeit und kommt gar nicht auf die Idee, seinen Leser mit diesen Mitteln zu unterhalten. Dafür sind die Darstellungen der Seegefechte oder Piratenangriffe temporeich und voller Suspense.

Einem Verlag wäre zu empfehlen, die gesamte Reihe zu veröffentlichen. Eine Leserschaft, wenn auch begrenzt, gibt es hierfür bestimmt.

  • El navío Alejandro I
    El navío Alejandro I
    Das Linienschiff Alexander I
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