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Der Pórtico de la Gloria. Sein Geheimnis und seine Bedeutung
Bücher von spanischen Verlagen und spanischen Literaturagenturen mit verfügbaren Übersetzungsrechten für den deutschen Sprachraum.
Autor: Félix Carbó Alonso
Verlag: Ediciones Encuentro S.A., 2009, 168 Seiten
Genre: Kunst & Geschichte
GutachterIn: Francisco Uzcanga Meinecke
El pórtico de la gloria. Misterio y sentido (Das Portal der Glorie. Geheimnis und Sinn) ist ein Kunstband über das Eingangstor der Kathedrale von Santiago de Compostela und zugleich eine wissenschaftliche Studie über die Symbolik der Figuren und Gestalten, die dieses Portal bilden.
Hintergrundinformation
Félix Carbó Alonso (1942), gebürtiger Galicier, bekennender Pilger, autodidaktischer Kunsthistoriker und Theologe gilt heutzutage als einer der anerkanntesten Spezialisten, was die Deutung und die Symbolik der Kathedrale Santiago de Compostelas betrifft. Für das Buch El Pórtico de la Gloria hat er mehrere Jahre Forschungsarbeit in unterschiedlichen Bibliotheken und Archiven betrieben, zahlreiche Gespräche mit Kunstexperten der Romanik geführt und, dank einer Sondererlaubnis, unzählige Detailfotos des Haupteingangs der Kathedrale Santiago de Compostelas während einer intensiven Arbeit von über drei Monaten aufgenommen.
Der Madrider Verlag Ediciones Encuentro hat sich seit seiner Gründung 1978 auf die Veröffentlichung von philosophischen, historischen, religiösen, pädagogischen und künstlerischen Werken spezialisiert. Der Verlag ist christlich orientiert und gilt in Spanien als der wichtigste Verleger katholischer Autoren des 20. Jahrhunderts.
Inhalt
Das Buch El pórtico de la gloria ist in sechs Kapitel unterteilt. Vorangestellt wird eine Einführung, in der über die Methodik des Buches und über die ästhetische und religiöse Motivation des Autors berichtet wird. Hier wird auch die Schlüsselszene angeführt –ein faux pas eines lokalen Reiseführers-, die ihn dazu gebracht hat, diese langjährige Forschungsarbeit durchzuführen.
Im ersten Kapitel, El hombre del medievo (Der mittelalterliche Mensch), wird das Forschungsobjekt in seinen soziohistorischen und mentalen Kontext des Mittelalters (11. und 12. Jahrhundert) eingebettet, mit besonderem Augenmerk auf der Bedeutung des Kathedralenbaus und den Pilgerreisen.
Die Überschrift des zweiten Kapitels lautet Enigmas (Rätsel). Hier bietet der Autor unterschiedliche Hypothesen zu sechs Rätseln, die von den Kunsthistorikern noch nicht gelöst werden konnten: die Zerstörung bzw. der Umbau der westlichen Fassade der Kathedrale; die Suche nach der Identität der Künstler, die zusammen mit dem schon identifizierten Maestro Pedro das Portal bauten; die Herkunft der vier Marmorsäulen des Pórticos, die sich vom Material her von den anderen Säulen, allesamt aus Granit, unterscheiden; die Deutung der figurativen Skulpturen –Fabeltiere, Monster- an der Basis des Portals; die Identität der Statue Santo des Croques („Heiliger des Kopfstoßes“), die laut Überlieferung den heiliggesprochenen Maestro Mateo darstellt; der Ursprung des Rituals, wonach der Pilger seine rechte Hand auf die Mittelsäule des Pórtico legt und einen Wunsch ausspricht.
Das dritte Kapitel führt eine Fülle an historischen Daten zum Bau des Pórtico auf und stellt die allgemein akzeptierte Deutungstheorie vor, nach der die Mehrheit der Szenen, die sich im Pórtico abspielen, von der Apokalypse inspiriert wurden.
Kapitel IV und V bilden den Zentralpunkt des Buches. Hier wird die „Lektüre des Pórticos“ unternommen. Zunächst wird die Darstellung des Königreich Christus bis ins Detail beschrieben und anhand zahlreicher Photographien anschaulich gemacht: im linken Bogen die Darstellung des Limbus, im Rechten die des Fegefeuers, im zentralen Bogen die Skulptur des Heiligen Jakobs und die fast drei Meter hohe Statue Christi umgeben von Höflingen, Knappen, Chronisten, Chorsängern... Am Ende des V. Kapitels stellt dann der Autor des Buches seine Theorie vor. Ausgehend von der Tatsache, dass Christus im Pórtico nicht in seiner Eigenschaft als Richter, sondern vielmehr als Pantokrator (König, Weltherrscher) dargestellt wird, distanziert sich Félix Carbó von der allgemein akzeptierten Apokalypse-Theorie und deutet die Szenerie des Pórtico als eine Einladung an die Pilger, das Königreich Christus, das sich im Innern der Kirche befindet, zu betreten. Die Haltung des Christus und des Heiligen Jakobs, die, anstatt den Blick auf ihre Gefolgschaft zu richten, mit einladenden und weit geöffneten Augen den Besucher anstarren, würde diese Theorie untermauern.
Bewertung
Das Buch von Félix Carbó in seiner doppelten Eigenschaft als Kunstbildband und theologischem Werk ist die detaillierteste Studie, die bis jetzt über den Pórtico de la Gloria verfasst wurde. Hervorzuheben sind sowohl die sorgfältige Edition als auch die Qualität der hochauflösenden Photographien, insbesondere die erste vollständige Abbildung des Pórtico de la Gloria, die dem Leser eine Perspektive und Genauigkeit bietet, die ihm beim Besuch der Kathedrale verwehrt bleibt. Auch die Ausführungen des Autors sind erwähnenswert: Sie dienen nicht nur der Untermauerung seiner Theorie, sondern bieten auch einen historischen, künstlerischen und theologischen Überblick über eines der Schlüsselwerke der europäischen Architektur des Mittelalters.
Hinweis auf Übersetzungsmöglichkeiten
Eine Übersetzung ins Deutsche scheint mir sehr empfehlenswert in Anbetracht des Interesses des deutschen Publikums an der Kathedrale von Santiago de Compostela und auch am gesamten Pilgerweg. Für diese Leserschaft handelt es sich hier nicht nur um ein weiteres Buch über Santiago de Compostela, sondern um ein Werk, das viel Neues bietet. Angesichts des zum Teil theologischen Charakters des Buches und der religiösen Motivation des Autors, der sich als gläubiger Pilger bekennt, wäre es allerdings sinnvoll, das Buch in einem auf dieses Gebiet spezialisierten Verlag zu veröffentlichen. Stil und Sprache sind klar und sachlich: Abgesehen von der fachspezifischen Terminologie mit zahlreichen Begriffen aus der Theologie, der Architektur und den Bildenden Künsten bereitet das Buch bei der Übersetzung keine Probleme.