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Der Lehrstuhl des Totenkopfs
Bücher von spanischen Verlagen und spanischen Literaturagenturen mit verfügbaren Übersetzungsrechten für den deutschen Sprachraum.
Autor: Margarita Torres
Verlag: Ediciones Planeta, Temas de hoy, 2010, 416 Seiten
Genre: Roman
Gutachterin: Konstanze Walther
Im Mittelpunkt von Margarita Torres’ historischem Kriminalroman steht eine junge Frau, die in der Universitätsstadt Salamanca in ein Intrigengeflecht zwischen Universität, Staat und Kirche gerät. Um ihr eigenes Leben zu retten, muss sie in die Gestalt eines männlichen Studenten schlüpfen. La cátedra de la calavera ist ein gut geschriebener, spannender Roman, der den Leser in das universitäre Leben Salamancas zu Beginn des 16. Jahrhunderts entführt.
Margarita Torres (La Bañeza, 1969), Doktor in mittelalterlicher Geschichte, ist eine renommierte Historikerin, aktuell lehrt sie an der Universität von León. Sie gilt sowohl als anerkannte Historikerin als auch als geschätzte Autorin historischer Werke. Sie hat mit ihren geschichtlichen Arbeiten bereits einige namhafte Preise gewonnen.
Salamanca, zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Ein mysteriöser Mord überschattet das Leben in der Universitätsstadt. Ein Gelehrter wird getötet. Am Tatort findet sich ein geheimnisvolles Zeichen, und eine verschwundene Truhe mit geheimen Dokumenten von Christoph Kolumbus gerät in den Fokus. Es ist eine Zeit der Umbrüche, der Konflikt zwischen Portugal und Spanien schwelt, die Entdeckungen von Kolumbus werden angezweifelt und die Universität von Salamanca wird zum Spielball zwischen Wissen und Staatsmacht.
In diese ungewisse Zeit gerät Isabel de Vargas, die vor ihrem Bräutigam flieht und Unterschlupf bei ihrer Cousine Luisa de Medrano findet, die an der Universität von Salamanca Rhetorik lehrt. Die Lage an der Universität spitzt sich zu, als der Inquisitor Juan Ruiz del Monte auf Befehl von Kardinal Cisneros nach Salamanca geschickt wird. Cisneros will seine Macht ausweiten. Nach dem Tode Isabellas von Kastilien sieht er Salamanca von schlechten Einflüssen bedroht. Isabel gerät in den Mittelpunkt des Geschehens, denn del Monte ist der Onkel ihres Bräutigams und sie ist in Gefahr, wenn er sie dort entdecken sollte. Sie gibt sich als Medizinstudent aus und findet in dem Mitstudenten Antonio Pimentel einen Weggefährten. Doch es geschehen weitere Morde und jedes Mal findet sich das mysteriöse Zeichen in unmittelbarer Nähe des Opfers. Jeder scheint ein Geheimnis zu verbergen, immer wieder tauchen Hinweise auf eine geheimnisvolle Karte und Aufzeichnungen von Kolumbus auf, die den gesamten Weltfrieden stören könnten. Jede Nation könnte mit dem Wissen der Truhe zu großem Reichtum gelangen, da sie von unentdeckten Ländern, neuen Handelswegen und Bodenschätzen erzählt, was bedeutet, dass auch dem Besitzer der Truhe Wohlstand sicher wäre. Isabel (in Verkleidung des Studenten Pedro) wird beschuldigt, die Morde begangen zu haben, Luisa als ihre Komplizin verhaftet. Am Ende greift der König selbst ein, um den Frieden in Salamanca wieder herzustellen. In einem Gerichtsverfahren lassen sich die Dinge endgültig klären, der sichere Verbleib der Truhe ist gewährleistet. Isabel und Luisa werden vom Verdacht frei gesprochen und Isabel darf ihre Studien beenden.
Margarita Torres hat einen prallen historischen Kriminalroman verfasst. Am ehesten könnte man La cátedra de la calavera als einen kriminalistischen Universitätsroman beschreiben. Der Roman ist flüssig und gut zu lesen, setzt jedoch ein Grundinteresse an europäischer Geschichte des 15. /16. Jahrhunderts voraus oder zumindest die Bereitschaft, sich mit dieser komplexen Thematik eingehend zu befassen. Die Autorin hat sich ein interessantes Thema ausgedacht, um das das gesamte Romangeschehen rankt: eine Truhe mit unentdeckten, geheimen Aufzeichnungen von Kolumbus, dies eingebettet in einen Kriminalroman, der in der Universitätswelt des 16. Jahrhunderts spielt.
Die Figuren sind plastisch gezeichnet, es ist spannend und lehrreich zugleich. Eine Reihe unerwarteter Geheimnisse und Rätsel werden im Laufe des Geschehens enthüllt, sodass der Roman bis zum Ende seine Spannung behält. Die Beschreibung mittelalterlichen Universitätslebens nimmt einen großen Raum ein. Der Leser taucht in den Universitätskosmos des 16. Jahrhunderts ein und Torres gelingt eine farbenprächtige Beschreibung universitären Lebens in der damaligen Zeit. Die Autorin bietet dem Leser eine interessante Geschichtsstunde, sie beschreibt anschaulich und detailliert die damaligen Vorgänge nach den Entdeckungen von Kolumbus, die Konflikte zwischen Portugal und Spanien, und den Konflikt zwischen Staat und Kirche. Der Roman rankt sich außerdem um eine zweite sehr interessante Persönlichkeit, Luisa de Medrano, die erste Lehrstuhlinhaberin Spaniens. Und nicht zuletzt durch die Maskerade der Heldin bekommt das Geschehen einen besonderen Reiz und es gibt am Ende natürlich auch eine romantische Liebesgeschichte, was den Roman, neben den beiden Protagonistinnen, auch oder gerade für ein weibliches Publikum interessant macht.
Von meiner Seite gibt es eine Empfehlung für die Auswahlliste der Expertenrunde. La cátedra de la calavera ist ein spannender, fesselnder historischer Kriminalroman, der eine große Leserschaft finden könnte.
Von Margarita Torres ist bisher kein Titel ins Deutsche übersetzt worden. Die Übersetzung dürfte mittelschwer sein, denn es gibt einige, nicht mehr benutzte historische Ausdrücke und geschichtlich nicht versierte Übersetzer haben einiges zu recherchieren.