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LA HUELLA DE LORCA (LORCAS SPUR)

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Autoren:              Carlos Hernández und El Torres

Verlag:                 Norma Editorial, 2011, 112 S.

Genre:                 Graphic Novel

Gutachterin:       Inka Marter

 

 

La huella de Lorcaerrichtet ein kaleidoskopartiges Bild von Federico García Lorca in 12 Erinnerungsstücken – Erinnerungen von Menschen, die den Dichter kannten oder bei seiner Ermordung zugegen waren, Anekdoten, die man sich erzählt. Es ist ein wunderschönes und liebevoll gestaltetes Buch, ein persönliches kleines Monument, das der wie Lorca aus Granada stammende Künstler dem Dichter hier errichtet hat.

Carlos Hernández ist durch die Comic-Strips „Orce-Man“ und „Chucky“ bekannt, die er für die in Granada, Almería und Jaen erscheinende Tageszeitung Ideal zeichnet. Er arbeitet auch als Buchillustrator. La huella de Lorca ist seine erste Graphic Novel, von ihm sind Text und Zeichnungen. El Torres hatte, wie Hernández in einem Interview sagt, eher die Funktion eines Doktorvaters, der das Projekt durch Beratung in die richtige Richtung lenkt.

Die erste und die letzten beiden Geschichten bilden eine Art Rahmenhandlung. 1936, kurz nach Ausbruch des Bürgerkriegs, verlässt der kleine Alfonsito mit seiner Familie Granada, sie fahren nach Riaza in Segovia. Am Ende nimmt die gleiche Familie in Riaza einen verwundeten internationalen Brigadisten bei sich auf und pflegt ihn gesund. Von ihm erfährt Alfonsito, dass die Falangisten Lorca getötet haben. Der Junge mochte den Dichter sehr und ist traurig. Wie sich in der letzten Episode herausstellt, ist Alfonsito der Vater des Comicautoren Carlos Hernández. Carlos recherchiert in Granada über Lorca und erklärt sein Projekt eines Erinnerungsbuches. Er möchte keine Biographie schreiben, da Lorcas Leben ohnehin allen bekannt ist. Gemeinsam mit seinem Vater besucht er ein paar Orte in Granada, die mit Lorca zu tun hatten, aber bisher nicht gekennzeichnet sind. Sie beklagen, wie schlecht der Dichter noch immer in seiner Geburtsstadt behandelt wird. Dann fängt sein Vater an, ihm seine Erinnerung zu erzählen, womit er zum Anfang des Buches zurückkehrt.

In diesen fiktionalen Rahmen eingebettet – Hernández’ Vater kannte Lorca gar nicht – finden sich 9 weitere Episoden. Einige davon handeln von seinem Tod: 1938 erinnert sich Carlos Morla Lynch, der in seinem Haus in Madrid viele Dichter versammelte, an den Moment, an dem er durch die Zeitung von Lorcas Tod erfuhr, an seine Ungläubigkeit darüber. 1906 verteidigt ein Nachbarsjunge den kleinen Lorca vor anderen Kindern, weil er ihn vor dem Ertrinken gerettet hatte – 1936 bittet er dann nur verzweifelt darum, nicht für Lorcas Erschießungskommando abgestellt zu werden. 1965 lässt sich der Lorca-Biograph Ian Gibson die Stelle zeigen, wo der Dichter nach seiner Ermordung verscharrt wurde. Andere Episoden handeln von seinen künstlerischen und literarischen Bekanntschaften: 1929 ist er in New York bei Nella Larsen zu Gast, zusammen mit Musikern und Intellektuellen der Harlem Renaissance, 1930 muss er in Havanna nach einer Operation das Bett hüten und empfängt seine Künstlerfreunde dort in einem Hotel, 1932 fährt er mit dem mobilen Studententheater La Barraca in ein Dorf, um ein Auto-Sakramental von Calderón de la Barca aufzuführen. Lorca wird als ein amüsanter und hochbegabter Mann gezeigt, der in diesen Kreisen Freundschaft und Bewunderung genießt. Die aus seiner Zeit in der Madrider Residencia de Estudiantes stammende Freundschaft mit Salvador Dalí und Luis Buñuel wird eher negativ dargestellt: 1951 gibt Salvador Dalí einem französischen Journalisten ein haarsträubendes Interview, in dem er Lorcas politische Ansichten verleugnet. Und schon 1928 treffen sich Buñuel und Dalí anläßlich eines Konzerts, das Lorca in der Residencia de Estudiantes gibt, und verhöhnen ihn hinter seinem Rücken als bourgeoisen Künstler. In dieser Episode tauchen emblematische Bilder aus ihrem gemeinsamen avantgardistischen Film „Ein andalusischer Hund“ auf, und sie endet wie Buñuels „Der Würgeengel“: niemand kann den Ort des Konzerts verlassen und plötzlich tauchen überall Schafe auf.

Das Buch ist zweifarbig und die Kombination aus Schwarz und Hellbraun verleiht den Zeichnungen beinahe die melancholische Sepiatönung alter Fotografien. Tatsächlich werden zwischen den einzelnen Geschichten oft ganzseitig gezeichnete Reproduktionen einiger Fotos von Lorca eingefügt. Manchmal zeigen die Fotos ihn zusammen mit einer der anderen Figuren der jeweiligen Geschichte, manchmal passen sie nur zeitlich. Insgesamt sind die Zeichnungen aufwändig und meistens eher realistisch gestaltet – nur einige der Figuren werden etwas karikaturesk überzeichnet. Die Seitenaufteilung ist ruhig gehalten und die Panels sind immer klar voneinander abgegrenzt.

La huella de Lorcaist in jeder Hinsicht ein schönes Buch. Hernández Begründung, keine Biographie zu zeichnen, da ja schon alles gesagt sei und sein Leben allen bekannt sei, gilt leider nicht im selben Maße für ein deutsches Lesepublikum. Man könnte dem durch ein ausführliches Vorwort sicher abhelfen – auch die spanische Ausgabe hat ein Vorwort –, ob es aber sinnvoll ist, die Ausdrucksmittel der Graphic Novel durch ein anderes Medium zu ergänzen, sei dahingestellt.

  • LA HUELLA DE LORCA
    LA HUELLA DE LORCA
    Lorcas Spur
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