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DIE FISCHE DES VERBITTERUNGS
Bücher von spanischen Verlagen und spanischen Literaturagenturen mit verfügbaren Übersetzungsrechten für den deutschen Sprachraum.
Gutachterin: Sabine Giersberg
In dem 2008 mit dem Premio der Real Academia Española ausgezeichneten Erzählband Los peces de la amargura beschreibt der Autor Fernando Aramburu (* 1959 in San Sebastián) in zehn Episoden auf berührende Weise die Realität des seit Jahrzehnten vom ETA-Terror gepeinigten Baskenlandes. Anhand von Einzelschicksalen zeigt er auf, wie Gewalt und Tod den Alltag der Menschen bestimmen. Da ist beispielsweise der Vater der Titelerzählung, dessen junge Tochter bei einer Bombenexplosion auf der Straße verstümmelt wird. Aus Verzweiflung flüchtet er sich in fast autistischer Manier in seine Welt, die im wesentlichen aus der Pflege eines Aquariums besteht. Oder die junge Frau, deren Mann, ein Guardia Civil, nach massiven Drohungen ermordet wird. Angefeindet von den Dorfbewohnern muss sie selbst mittellos mit den Kindern zu ihren Eltern flüchten. Oder das wackere alte Mütterchen, das seinen Terroristensohn im Gefängnis besucht, zuhause mit dem Bild des toten Ehemanns spricht und sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt.
Aramburus Geschichten sind weder sentimental noch rührselig und sie kommen auch nicht mit erhobenem Zeigefinger daher. Sie sind in einem positiven Sinne unspektakulär und genau deshalb mitreißend. Ob es um die Darstellung der Innenwelt der Figuren (meist einfache Menschen aus dem Volk) oder die Demaskierung sozialer Mechanismen geht, der Autor nimmt den Leser mit. Mal lässt Aramburu den Leser ganz nah an die Figuren heran, mal hält er ihn über den Erzähler oder durch die eingeschränkte Sichtweise der Figur auf Distanz. Auch allgemein-menschliche Konflikte zwischen Eltern und Kindern oder Paaren werden thematisiert.
Es geht Aramburo nicht um Gewaltdarstellung oder Voyeurismus. Die Brutalität wird durch einen humorvollen oder an vielen Stellen auch melancholischen Ton aufgefangen.
Die Erzählungen, die sich im Grunde als vielstimmiger Roman lesen lassen, sind auch formal erfrischend unterschiedlich gestaltet. Man findet die gesamte Bandbreite an möglichen Erzählsituationen, eine Erzählung ist gar wie ein Theaterstück konzipiert.
Auch Tonlage und Tempo variieren. Aramburu bedient sich teilweise eines gehobenen Sprachregisters, nutzt aber auch die bunte Palette der Umgangssprache, was den Texten etwas sehr Farbiges, Lebendiges verleiht.
Aramburu geht es nicht um die politische Analyse. Seine Texte sind für ein interessiertes breites Publikum geschrieben und könnten durchaus auch jüngere Menschen ansprechen. Formal betrachtet sind sie eher konventionell, da es dem Autor mehr auf die Vermittlung der Inhalte als auf Formexperimente ankommt.
Es gelingt dem Autor die Atmosphäre der stetigen Bedrohung, einzufangen, sodass der Terror im Alltag fassbar, spürbar, wird. Nach der Lektüre bekommen Nachrichten über Anschläge und Statistiken eine andere Dimension – vielleicht ein Ansporn, sich auch hierzulande intensiver mit den Hintergründen, mit der Geschichte des Baskenlandes und der ETA, auseinanderzusetzen. Spanien hat viele Gesichter, und Aramburu stellt uns eines davon – ein trauriges - vor.