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Boten des Lichts
Bücher von spanischen Verlagen und spanischen Literaturagenturen mit verfügbaren Übersetzungsrechten für den deutschen Sprachraum.
Autor: Víctor Conde
Verlag: Editorial Hidra, 2010, 346 S.
Genre: Jugendbuch
Gutachterin: Anette Lang
“Heraldos de la luz”, der erste Teil der als Trilogie angelegten Engel-Saga Víctor Condes, ist ein Pageturner im Jugendformat. Mit schnellen Szenewechseln, kulturellen Zitaten und seinen alles andere als tradierten Vorstellungen von der Organisation des Himmelreichs gelingt es dem Autor, den Erwartungen seines jugendlichen Publikums gerecht zu werden. Die Übersetzung des in Spanien sehr erfolgreichen Titels wird ausdrücklich empfohlen.
Hintergrundinformation
Alfredo Moreno Santana, der unter dem Pseudonym Víctor Conde schreibt, wurde 1973 auf Teneriffa geboren. Nachdem er bereits 2004 und 2005 als Finalist in der Endausscheidung des prestigeträchtigen Literaturpreises “Premio Minotauro” für Sci-Fi-, Fantasy- und Horror-Literatur teilgenommen hatte, gewann er ihn schließlich 2010 mit dem Titel “Crónicas del multiverso”.
Mit diversen veröffentlichten Romanen und Serien gilt Víctor Conde heute als einer der wichtigsten Vertreter der Fantasy-Literatur in Spanien.
“Heraldos de la luz”, der erste Teil seiner als Trilogie angelegten Engel-Saga, ist Víctor Condes bislang ambitioniertestes Projekt im Bereich der Jugendliteratur.
Inhalt
Tanya ist, abgesehen von ihrem Kleidergeschmack, ein ganz normaler Teenager. Zugegeben, sie ist vielleicht ein bisschen intelligenter als die meisten ihrer Altersgenossen, aber dass nur ein Teil von ihr menschlich sein soll, während ihre andere Hälfte von Engeln abstammt, das kann sie nun doch nicht ganz glauben. Erst als ihre neue Freundin Séfora, ihr dunkelhäutiger Schutz-Engel, sie knapp vor den Dämonen rettet, in die sich Tanyas Eltern plötzlich verwandelt haben, beginnt sie diese neue Wahrheit über sich zu akzeptieren.
Ähnliche Schwierigkeiten haben Erik, der als Stuntman beim Film arbeitet, und Mauro, ein junger Mann mit bedrückender Familiengeschichte: Wie Tanya gehören auch sie zu den drei Auserwählten, die Séfora allmählich auf die bevorstehende Entscheidungsschlacht Himmel gegen Hölle vorbereitet, wobei das Gute längst nicht so weit im Vorteil ist, wie man meinen möchte. Den drei Auserwählten gelingt es um Haaresbreite, den ersten Kampf für sich zu entscheiden – doch zwei Schlachten stehen noch aus, denn “dreimal wird man kämpfen”…
Sprache/Stil
“Wir leben in einer interkulturellen Welt und deshalb glaube ich, dass auch die Fantasy-Literatur interkulturell sein sollte”, erklärte Conde in einem Interview mit dem Magazin fantasymundo. Dieses Credo setzt der Autor in seinem Jugendbuch auf verschiedene Weise um: Die Figuren seiner jugendlichen Protagonisten Tanya und Mauro gehören aktuellen Jugendbewegungen an, Tanya hat sich der Fashion-Fraktion der Lolitas verschrieben, Mauro ist ein sozial nicht angepasster Emo. Beide Subkulturen sind den Jugendlichen von heute vertraut und laden deshalb zur Identifikation ein, zumal sich der Autor um einen verständnisvollen Ton bemüht, wenn er die Jugendgruppen gegen das Unverständnis der erwachsenen Nebenfiguren verteidigt.
Weiterhin zeichnet sich Condes Stil durch eine Vielzahl von kulturellen Zitaten aus, die aus den verschiedensten Quellen schöpfen. Die Dämonen werden mit dem Verweis auf die Opern Wagners eingeführt, es finden sich Zitate aus Filmen wie “Edward mit den Scherenhänden” und sogar Witze von Woody Allen.
Das Leseerlebnis wird dadurch für das junge Publikum unmittelbarer, es gelingt dem Autor, eine Welt zu beschreiben, die die Jugendlichen kennen.
Aber auch die Verschränkung mit dem Fantasy-Teil der Geschichte erscheint durch die kulturellen Reminiszenzen glaubwürdiger und leichtfüßiger, etwa wenn der Engel Séfora erzählt, in der Hölle gebe es nur Bücher von Dan Brown und Stephenie Meyer.
Der schnelle Wechsel zwischen Orten und Personen gibt der Geschichte Tempo und kommt der Erwartungshaltung des Publikums sicherlich engegen.
Condes Erfahrung als renommierter Sci-Fi-Autor macht sich darin bemerkbar, dass er sich nicht damit begnügt, die tradierte Vorstellung von Himmel und Hölle als Hintergrundfolie aufzuspannen. Stattdessen erfindet und rekombiniert er im Handstreich die himmlischen Heerscharen neu und kontrastiert sie mit den nicht weniger einfallsreichen Horden der Hölle.
Bewertung
Bei “Heraldos de la luz” handelt es sich um einen Pageturner im Jugendformat, der sowohl die Regeln des Genres berücksichtigt als auch auf relevante Bereiche der Jugendkultur eingeht.
Der deutsche Markt der Jugendliteratur ist durch den kürzlichen Erfolg verwandter Themengebiete, etwa der “Twilight”-Saga, sowohl in Bezug auf das Fantasy-Genre vorbereitet, als auch auf die Form der Trilogie.
In Spanien, traditionellerweise kein Land mit einem nennenswerten Sci-Fi/Fantasy-Markt, musste nach drei Monaten in den Buchhandlungen bereits die zweite Auflage von “Heraldos de la luz” nachgedruckt werden – Eine Übersetzung ins Deutsche wird daher unbedingt empfohlen.
Hinweis auf Übersetzungsmöglichkeiten
Condes Stil ist, wie gerade für die Jugendliteratur ja wichtig, sehr klar und direkt. Bei der Übersetzung sollte es daher keinerlei Probleme geben.
Es wäre allerdings zu überlegen, auf das Vorwort von José Antonio Cotrina, eines Sci-Fi-Autors aus Condes Generation, in der deutschen Ausgabe zu verzichten, da es nur geringen zusätzlichen Werbe-Effekt hätte.
Allenfalls könnte man versuchen, einen in Deutschland bekannteren Autoren für diese Aufgabe zu gewinnen.